Ahnungsloser Sachverständiger beim Thema Altersvorsorge

Wenn über Vermögen diskutiert wird, ist das Thema Altersvorsorge nicht weit und immer als Wahlkampfthema geeignet. Bei jeder Gelegenheit wird der Bürger daran erinnert, doch fürs Alter zu sparen und der Staat hält ja wie oben ausgeführt lukrative Förderungen dafür bereit. Weil weder Staat noch Unternehmen Schulden machen, funktioniert das aber nicht so einfach. Denn wie bereits häufig erläutert, benötigt jeder Spargroschen auf der Gegenseite einen Schuldnergroschen.

Jedenfalls wurde neulich in einer Talkshow bei Maybritt Illner über das Thema Altersvorsorge diskutiert. Einer der Gäste war der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Herr Prof. Christoph Schmidt. Vorgestellt wurde das österreichische Rentensystem, also aus einem Land, welches wirtschaftlich ähnlich stark ist wie Deutschland und vergleichbare demographische Entwicklungen aufweist.

Die Österreicher verzichten gänzlich auf zusätzliche Sparanreize, wie z.B. hierzulande mit Riester und Rürup. Sie haben einen etwa um 4 Prozentpunkte höheren Rentenbeitrag, der gar vom Arbeitgeber etwas höher bedient wird (12,55 zu 10,25%). Bei vergleichbarem Einkommen hat der Österreicher eine um bis zu 80% höhere Rente zu erwarten als der deutsche Arbeitnehmer. Hinsichtlich der Verteilungswirkung kann konstatiert werden, dass auch Niedrigeinkommensbezieher in Österreich partizipieren, während der vergleichbare Deutsche keinen zusätzlichen Sparbeitrag zu leisten im Stande ist.

Auf die Frage von Illner an den Sachverständigen, wie er sich denn dieses Ergebnis erklären könne, stellte sich heraus, dass der wichtigste deutsche Ökonom keine Ahnung vom Altersvorsorgesystem eines vergleichbaren Nachbarstaates hatte, gleichzeitig aber vollmundig in seinem Jahresgutachten verkündet, dass die Deutschen um die Rente ab 70 wohl nicht herumkommen werden.

Wiederum ein Beispiel für das Versagen der deutschen Ökonomenzunft, die mit mikroökonomischer (einzelwirtschaftlicher) Herangehensweise makroökonomische (gesamtwirtschaftliche) Probleme lösen wollen. Ein Ansatz, der stetig zum Scheitern verurteilt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.